Zwangsehen und Aufräum-Freuden
| 01.05.2009 |
| akt 3, 01.05.2009 |
| Zwangsehen und Aufräum-Freuden Das Kölner Putzfrauen-Kabarett mit seinem Programm „Multi-Kultimo" Endlich fängt Multi-Kulti an in Deutschland zu funktionieren. Schließlich haben kulturelle Unterschiede schon jetzt Berücksichtigung in der deutschen Rechtsprechung gefunden. Die Scharia lässt grüßen. Jedenfalls laut der Gerichtsurteile, die die Deutsch-Türkinnen Figen Canatalay sowie die iranischen Schwestern Afagh und Asin Esmailzadeh zitieren – in denen Frauen mit falsch verstandener Toleranz und so genannten „Kulturkreis-Urteilen“ ihren gewalttätigen Männern ausgeliefert werden. Drei fleißige Putzfrauen lassen die Zuschauer in ihrem neuen Programm „Multi-Kultimo“ einen kritischen Blick in die Zukunft werfen: in das von islamischer Kultur geprägte „Islamanja“, das gar nicht mehr so fern ist. Als Putzfrauen treten die drei Kabarettistinnen jedoch nur zu Beginn der Vorstellung auf. Der Name „Putzfrauen-Kabarett“ geht auf das Jahr 1993 zurück, als türkische Frauen fast ausschließlich als Putzfrauen bekannt waren. Zumindest das hat sich teilweise geändert: Die drei schlüpfen in die Rollen von Richterinnen und Fernsehmoderatorinnen ebenso gekonnt wie in die von traditionellen Musliminnen. So richtig aufgeräumt und saubergemacht wird aber weiterhin. „Hat se oder hat se nicht?“, das ist nicht die Frage, heißt es dann in Abwandlung des Hamlet-Zitats. Wer in Zukunft des Ehebruches verdächtigt wird, dem gebührt wird, dem gebührt in Islamanja die „gerechte“ Strafe der Steinigung. Was heute noch immer in einigen islamischen Ländern praktiziert wird, erlebt im neuen Deutschland seinen Höhepunkt und fließt als olympische Disziplin in die deutsche Leitkultur ein. Das sind provozierende Sätze, aber die drei präsentieren sie, als seien sie bald die unerbittliche Wahrheit. War es einst das Anliegen des Putzfrauen-Kabaretts, uns ihre eigene Kultur näher zu bringen, scheinen sie sich nun nicht nur integriert zu haben, sondern stellen ihre so genannte Integration scharf in Frage. Zum Beispiel den Heiratsmarkt, der im neu-deutschen Islamanja eine neue Blütezeit erlebt: Partneragenturen haben Hochkonjunktur, in denen Frauen für die freiwillige Zwangsehe(!) rekrutiert werden. Keine Qual der Wahl mehr; wer heiratswillig ist, bekommt den „richtigen“ Ehemann einfach verpasst. Hier werden der Frau alle Bürden abgenommen – einschließlich die des Denkens. Ist „Eheglück doch nur eine Phrase der Gewöhnung“. In dieser ganz neu interpretierten Toleranz haben auch Zweitfrauen eine Berechtigung und die, die ausrangiert werden „leben halt von der Abwrackprämie“. Ihre verbale Prügel lassen die Kabarettistinnen aber nicht nur auf die islamisch-deutsche Republik der nächsten Zukunft niederprasseln. Auch im Hier und Jetzt setzen sie ihre Sprachakrobatik gekonnt ein und verteilen Hiebe nach allen Seiten .Das Paket der Abzahlung des Konjunkturpaketes haben wir alle zu tragen, auch wenn wir gar Päckchen bestellt haben. Die schnell donnernden Spitzen des Putzfrauen-Kabaretts, für die Rainer Hannemann (Regie und Text) verantwortlich ist lassen den Zuschauern kaum Zeit zum Luftholen. Sei es, weil die Künstlerinnen ihre Wortspiele manchmal derart steigern, dass sie sich selbst zu überholen scheinen, sei es weil einem manchmal das Lachen fast im Halse stecken bleibt und man selbst erst einmal überlegen muss, wo die eigenen Geschmacks- und Humorgrenzen liegen. Ach ja, wäre noch zu erwähnen, dass Angela Merkel auch Islamanja anführen wird und verlauten darf: „Wir haben uns angepasst, weil wir haben nicht aufgepasst“. Na also – Integration ist total einfach. „Multi-Kultimo“ ruft jedenfalls dazu auf, Frauen- und Menschenrechte trotzdem zu schützen. Von Simone Gloger: akt 3, Mai 2009 |


